Ein Ausflug ins vorige Jahrtausend

Starteten mit der ersten Apotheke in Gilching

St. Vitus und seine neue Apotheke in Gilching

Aus Münchner Merkur vom 20. März 1950:
"Gilching. Ob die alten Römer Aspirintabletten und Penecilin nötg hatten, als sie "frech geworden" und gen Norden zogen, kündet weder ein Cäsar noch ein Tacitus. Das eine aber ist sicher, daß an der Römerstraße, die durch Gilching nach Fürstenfeldbruck zieht, die neue Apotheke steht. Das freundliche Äußere entspricht der zweckmäßigen und zugleich geschmackvollen Inneneinrichtung. Man sieht, daß eine Giftküche nicht nur mit "Gläsern, Flaschen rings umstellt" zu sein braucht, sondern auch gemütlich wirken kann, die leidende Menschheit schluckt dann ihre bitteren Pillen und "hantigen" Tränklein viel lieber und wird rascher gesund. So ist die neue Gilchinger Apotheke mustergültig für eine moderne Landapotheke. Man merkt sofort, daß das Geschäft mit Überlegung und Ruhe eingerichtet wurde; nicht verwunderlich, denn Apotheker Rudolf Hartmann, einer Apothekerdynastie entstammend, hat Offizin Nebenräume und Einrichtungen selbst entworfen, ehe er, von Mühldorf am Inn kommend, am 20. März dieses Jahres die neue Konzession zugeteilt erhielt.

Gilchings erste Apotheke...

steht an der Römerstraße

Es war ein dringendes Bedürfnis, in diesem stark bevölkerten Gebiet des Vierseenlandes eine Apotheke zu errichten, denn bis nach Seefeld, Planegg-Gauting, Fürstenfeldbruck mußten bisher die Rezepte getragen werden, obschon drei Ärzte in den über vier Kilometer weit auseinandergezogenen Schwesternorten Gilching-Argelsried wirken und weit mehr als 5000 Menschen gesundheitlich zu betreuen sind.
In der Apotheke, die durch zwei breite Fenster Licht und Helle erhält, wirken die braunen Standgefäße mit eingebrannter Schrift harmonisch mit den in Naturholz gehaltenen Regalen zusammen. Wandschränke mit Glasschiebefenstern lassen die tausenderlei "Spezialiäten" einsehen und in Vitrinen laden Kosmetika und mancherlei "schöne Sachen" zum Kauf. Praktisch angeordnet ist die Rezeptur, der die Handverkaufswaage nicht im Wege steht. Bänderschriften weisen über den Türen zum Nachtdienstzimmer klein aber fein zum Laboratorium und in die Stoßkammer. Handlich ist der moderne Destillierapparat und ein Tonfilterbehälter gewährleistet stets das flüssige Element aller Mixturen in "Reinkultur". Der Reagenzienkasten und elektrische Trockenschrank sind Schmuckstücke des Labors. Blitzblank und vor allem trocken zeigt sich der Arzneikeller mit feuersicherum Einbau; ein Flaschenraum mit Abstellmöglichkeiten schließt sich an. Ordnung, segensreiche, herrscht im Kräuterboden, dem Schmerzenskind so vieler Apotheken; wenn auch hier nicht "unterm Dach", so in unmittelbarer Verbindung mit den übrigen Apothenräumen, wodurch im Arbeitsgang viel Zeit gespart wird.
Der Schutzheilige des Ortes, nach dem die Apotheke benannt ist, hat seinen Namen für ein Schmuckkästchen einer Landapotheke gegeben.