HYGIENE

Max von Pettenkofer

Der Mediziner und Chemiker Max von Pettenkofer gilt als Begründer der experimentellen Hygiene. Als 1854 in München die Cholera ausbrach, machte er ihre Bekämpfung zu seiner Lebensaufgabe.

Der Bauernsohn Max Pettenkofer verließ im Alter von acht Jahren seine Eltern und deren Einödhof in Lichtenheim im Donaumoos. Sein Onkel Franz Xaver Pettenkofer, königlicher Leib- und Hofapotheker, holte ihn zu sich nach München, um ihm den Besuch des Gymnasiums zu ermöglichen. Damit war der Grundstein für die spätere Karriere gelegt. Doch der kleine Max litt die erste Zeit in der großen Stadt unter Heimweh. Immer wieder betete er in der Liebfrauenkirche und bat die Mutter Gottes, sie möge dafür sorgen, dass er wieder nach Hause dürfe.
Max besuchte das Münchner Königliche Alte Gymnasium, das spätere Wilhelmsgymnasium. Schließlich hatte er sich eingelebt und war dank seiner Begabung bei Mitschülern und Lehrern hoch angesehen. Er erhielt schon während seiner Schulzeit viele Auszeichnungen für seine hervorragenden Leistungen.
Nach dem Abitur wollte Max von Pettenkofer klassische Philologie studieren. Doch sein Onkel sah in ihm seinen Nachfolger in der Hofapotheke und drängte ihn, Pharmazie und Naturwissenschaften zu belegen. Zusätzlich hörte Pettenkofer auch geisteswissenschaftliche Fächer. Schon bald entdeckte er seine Leidenschaft für die Chemie. Rasch erbrachte er außergewöhnliche Leistungen auf diesem Gebiet. Nebenher absolvierte er eine Apotheker-Lehre bei seinem Onkel.

Ohrfeige vom Onkel

Seine beruflichen Weichen schienen gestellt, doch ein kleines Ereignis gab seinem Leben eine Wende: Max machte in der Apotheke einen Fehler bei der Herstellung einer Mixtur und wurde von seinem Onkel dafür öffentlich geohrfeigt. Dies kränkte ihn so sehr, dass er München verließ und sich in Regensburg und Augsburg als Schauspieler versuchte. Bald jedoch kehrte er reumütig zurück, nahm sein Pharmazie-Studium wieder auf und studierte zusätzlich Medizin. Beides schloss er mit Auszeichnung ab.
Pettenkofer war sehr ehrgeizig, zielstrebig und ausdauernd. Seine Universitätskarriere ging gut voran: 1843 schloss er sein Studium mit der Promotion zum Doktor der Medizin, Chirurgie und Geburtshilfe ab. Gleichzeitig erwarb er die Approbation als Apotheker. Danach beschäftigte er sich in Würzburg mit Chemie und wechselte dann nach Gießen ins Labor Justus von Liebigs. Schon mit 29 Jahren wurde er Professor für medizinische Chemie an der Universität München, 18 Jahre später, 1865, übernahm er als Rektor die Leitung der Universität. Im gleichen Jahr wurde er in München erster deutscher Professor für Hygiene und richtete dort von 1876 bis 1879 das erste Hygieneinstitut ein. 1883 verlieh man Pettenkofer den Erbadel. 1883 verlieh man Pettenkofer den Erbadel Die Wissenschaft war sein Leben, selbst im höheren Alter forschte er noch unermüdlich.

Lebenskrise am Lebensabend

Pettenkofers Leben nahm ein unglückliches Ende. Nachdem sein zweiter Sohn und seine Frau gestorben waren, zog er sich immer mehr zurück und verbitterte - auch aus beruflichen Gründen. Als Wissenschaftler wurde er von verschiedenen Seiten in Frage gestellt. Die Entdeckung des Cholera-Erregers durch Robert Koch erschütterte Pettenkofers "Theorie zur Ausbreitung der Cholera". Seine jahrelangen Forschungen waren in seinen Augen plötzlich wertlos geworden. 83-jährig nahm er sich in seiner Wohnung in der Münchner Residenz das Leben.
"Wenn wir gegenüber irgendeinem Problem nicht mehr weiter wissen, brauchen wir nur den Professor Pettenkofer zu rufen, der weiß bei allen Schwierigkeiten Rat." - Das soll Johann Nepomuk von Nussbaum über seinen berühmten Fakultätskollegen einmal gesagt haben. In der Tat löste Pettenkofer auf geniale Weise chemisch-technische Fragestellungen, an denen sich andere vergeblich versuchten.

Pionier der experimentellen Hygiene

Pettenkofers größtes Verdienst sind seine Forschungen zur experimentellen Hygiene. Er erkannte als erster den Zusammenhang zwischen schlechten hygienischen Bedingungen und der Ausbreitung von Seuchen. Pettenkofer rief einen völlig neuen Wissenschaftszweig ins Leben - die Hygienelehre. Auf sein Betreiben hin wurden zunächst in München, bald darauf in vielen europäischen Städten, ein Abwassersystem und eine zentrale Trinkwasserversorgung eingeführt.

Die Cholera: Lebensaufgabe Pettenkofers

Es sollte ein großes Ereignis für München werden: Im neu errichteten Glaspalast öffnete am 15. Juli 1854 die "Erste Allgemeine Deutsche Industrieausstellung" ihre Pforten. Mehr als 6.000 Händler stellten aus, Tausende von auswärtigen Besuchern reisten an. Selbst Könige und Fürsten hatten ihren Besuch angesagt. Doch kurz nach der Eröffnung erkrankten zunächst Bedienstete der Ausstellung, bald darauf auch Besucher und Münchner Bürger. Panik brach aus: Es herrschte Cholera in München! Eine sofort eingesetzte Untersuchungskommission beauftragte Max von Pettenkofer, den Verbreitungsweg der Cholera zu untersuchen. Pettenkofer nahm die Herausforderung an. Die hygienischen Zustände in München waren bis zum Ausbruch der Cholera-Epidemie katastrophal. Es gab weder eine Trinkwasserversorgung noch eine Müll-, Fäkalien- oder Abwasserentsorgung. Dank Pettenkofers unermüdlichem Einsatz und seiner stetigen Aufklärungsarbeit in Sachen Sauberkeit verbesserte sich die Hygienesituation in München im Laufe der nächsten Jahrzehnte deutlich. München verdankt Pettenkofer seine Kanalisation und eine zentrale Trinkwasserversorgung. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts galt München als eine der saubersten Städte Europas – auch ein Verdienst Max von Pettenkofers.

Erinnerung an große Leistungen

Das von Pettenkofer gegründete Münchner Hygieneinstitut ist noch heute als "Max von Pettenkofer-Institut" ein Forschungszentrum für Bakteriologie und Virologie. Die Straße, in der es steht, trägt den Namen Pettenkofers. Am Maximiliansplatz erinnert ein Denkmal an den großen Forscher, sein Grab am Münchner Südfriedhof hat den Status eines städtischen Ehrengrabes.

QUELLE: BR - alpha-Campus - Vortrag von Prof. Dr. Dr. Renate Wittern-Sterzel aus dem Jahr 2006